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Das Ostpreußen-Projekt bei Familytreedna

Seit 18 Jahren beschäftige ich mich verhältnismäßig erfolgreich mit der Erforschung meiner eigenenVorfahren. Was ich fand, waren Ostpreußen und nur Ostpreußen, manche Namen deuteten auf eine Herkunft aus Deutschland, viele auf eine aus Polen, manche Linien ließen sich weit zurück in die Vergangenheit verfolgen, andere verschwanden früh im Nichts. Besonders wurmte es mich, dass meine direkte mütterliche Vorfahrin, meine Ururgroßmutter, lediglich nur einen errechneten Geburtstermin hatte und über ihre Eltern nichts bekannt war. Vor 8 Jahren entschloss sich mein Bruder auf meine Bitte, seine DNA testen zu lassen (Männer können im Gegensatz zu Frauen bekanntlich sowohl die Y-DNA als auch die mtDNA testen lassen). Die Preise waren inzwischen so gesenkt worden, dass sie nicht mehr abschreckten.

Als nach etliche Wochen endlich die Ergebnisse kamen, waren wir vier Geschwister doch einigermaßen überrascht, weil unsere direkten väterlichen und mütterlichen Vorfahren eben nicht, wie erwartet, aus Polen kamen, sonder aus Kroatien und Norditalien.

Natürlich hatte ich gewusst, dass die ostpreußische Bevölkerung ein Vielvölkergemisch aus Deutschen, Polen, Litauern, Russen, Schotten, Holländern, Österreichern etc. war - aber Vorfahren aus Kroatien und aus Norditalien?

Ich suchte unter den vielen Projekten, die von Familytreedna angeboten wurden, nach einem ostpreußischen, fand keines und gründete kurz entschlossen selber eins mit anfangs einem einzigen Teilnehmer - mir. Es ist zu finden unter der Webseite http://www.familytreedna.com/public/Ostpreussen_East_Prussia/ Wenn man jedoch unter des angebotenen Projekten suchen möchte, findet man es unter dem Buchstaben "E", da die Mehrzahl der Teilnehmer bei Familytreedna englischsprachig ist. Ich hoffte darauf, dass sich mehrere anschließen würden und es vielleicht möglich wäre, herauszufinden, ob noch eine Spur der alten Prußen vorhanden sein würde. Inzwischen sind 436 Teilnehmer dabei, besonders in der letzten Zeit - seit das Projekt unter "E" (-wie East Prussia) zu finden ist - sind viele dazugekommen und es zeichnet sich ein erster Trend ab. 

                         Y-HG Ostpreußen                                                                      Y-HG Deutschland

HG_OP_richtig_trans.pngY-HG-Deutschland_aktuell_trans.png

Der gesamten HG R gehören sowohl in Ostpreußen als auch in Deutschland die meisten Teilnehmer an und auch ihre Untergruppen R1a und R1b unterscheiden sich nur wenig.  Der auffälligste Unterschied bei der Y-DNA-Haplogruppenverteilung ist der große Anteil der Haplogruppe N in Ostpreußen, wogegen N in der deutsche Gruppe verschwindent gering ist und in dem Diagramm gar nicht in Erscheinung tritt. 

Um dafür eine Erklärung zu finden, muss man sich diese Haplogruppen näher anschauen, muss die Regionen größter Dichte und ihre Wanderung im Laufe der Zeit zu Rate ziehen.  

In Mitteleuropa dominieren die Y-DNA Haplogruppen R und I. aber auch die sind nicht gleichmäßig verteilt. Es wird vermutet, dass die HG R vor 35-40 000  Jahren in West-Zentralasien entstanden ist und sich von dort in alle Richtungen ausgedehnt hat. R1 wanderte in Richtung Europa und teilte sich lange vor der letzten Eiszeit in 2 Gruppen.

AusbreitungR1a_R1b_I.jpg Verteilung der Haplogruppe I nach Markern

R1a nutzte während der letzten Eiszeit das Refugium Ukraine und siedelte in der Nach-Einzeit entlang der eurasischen Steppe, wo sie noch heute die höchste Konzentration hat.  

R1b verbrachte die Eiszeit auf der iberischen Halbinsel. Sie ist die häufigste Haplogruppe Europas, besonders hoch ist ihre Konzentration in Irland, England, Spanien, Portugal und Frankreich.

I entstand vor ca. 25 000 Jahren, überstand die Eiszeit wohl in dem Gebiet Balkanhalbinsel/Schwarzes Meer, spaltete sich in I 1 und I 2 und besiedelte große Teile Europas. Das Hauptsiedlungsgebiet von I 1 liegt in Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island, Während I 2, und das besonders I 2a, die höchste Konzentration auf dem Balkan und auf Sardinien hat.

Verteilung der Y-DNA-Haplogruppe N N, entstand innerhalb der letzten 10 000 Jahre in Sibirien, ist die interessantest Haplogruppe in Bezug auf die Ureinwohner Ostpreußens, die Prußen. Wie zu sehen ist, ist die Gruppe N im gesamten nördlichen Eurasien stark vertreten, die Untergruppe N1c (alter Name N3) soll unter der altprußischen Bevölkerung Ostpreußens einen hohen Anteil gehabt haben.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der Trend weiterhin fortsetzt.

Zum Vergleich hier noch eine Verbreitungskarte der dominanten Y-Haplogruppen Europas:

 dominante Y-HG Europas.pngBitte beachten, dass die Farbgebung der Haplogruppen nicht mit den in den Diagrammen oben übereinstimmen!

 

Die Erforschung des Abstammungsbaumes der mtDNA begann vor ca. 24 Jahren, als drei Forscher ihren Artikel "Mitochondrial DNA and human evolution" präsentierten. Ganze 147 mtDNA-Proben aus Afrika, Asien, Australien, Europa und Neu Guinea standen zur Verfügung. Die Testergebnisse ließen vermuten, dass der moderne Mensch aus Afrika stammte, was zunächst hauptsächlich die Wissenschaftler interessierte. Die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit erregte erst das Buch "Die 7 Töchter Evas", das 2001 von Prof. Bryan Sykes von der Universität Oxford veröffentlicht wurde. Er testete dafür die mt-DNA Tausender Europäerinnen und Europäern, fand dabei aber nur 7 Grundmuster und schloss daraus, dass die Abstammung aller Europäer auf 7 Urmütter zurückgehen müsse, die sich wiederum auf die afrikanische Lara-Familie (HG L) zurückverfolgen ließe. Er gab diesen Urmüttern die Namen Helena (H), Katrine (K), Tara (T), Velda (V), Ursula (U), Jasmin (J) und Xenia (X). Diese Buchstaben bezeichnen die mt-Haplogruppen auch jetzt noch, aber es sind noch etliche hinzugekommen und der Abstammungsbaum hat sich enorm verzweigt und ist inzwischen sehr kompliziert geworden. 

mt-DNA-Verteilung weltweit.JPG

Entstehung und Alter der mt-HG Ostpreußens

H vor 25-30 000 J. in Südwestasien/im mittlerem Osten

J vor etwa 45 000 J. in Westasien

K vor 22-40 400 J. in Norditalien

T vor 20-30 000 J. in Syrien/Türkei

U vor 55 000 J. im westl. Asien

V vor 12 000J. im westl. Eurasien

W vor 23 900 J. in Westasien

F vor 43 300 J. in Asien

L  vor 84 000-174 300 in Afrika

 

Prof Sykes hat den Anteil der mt-Haplogruppen in Prozenten an der europäischen Bevölkerung angegeben:

H 47%, K 6%, T 9%, V 5%, U 11%, J 17%, X 6% 

Ich wollte wissen, ob die ungefähren Prozentzahlen sich auch in der Bevölkerung Ostpreußens bzw. Deutschlands wiederfinden würden. Dazu hier die Diagramme:

                    mt-HG Ostpreußen                                                                             mt-HG Deutschland

 mt_HG_OP_richtig_trans.pngmt-HG-Deutschland_trans .png

Eindeutig scheint nur zu sein, dass die Haplogruppe H mit Abstand die größte in Europa ist. Eine ihrer Untergruppen ist die Cambridge Referenz Sequenz (CRS), die per Definition festgelegt wurde nach dem Genom einer Frau aus England mit der Haplogruppe H2, die keine Mutationen mit sich selbst aufweist. Zurückschauend auf die mtDNA-Urmutter sind aber seit ihrer Zeit viele Mutationen geschehen. Bei den Untergruppen von H gibt es sehr verbreitete (H1), zu der 13% aller Europäerinnen gehören und sehr kleine, deren Wanderungen noch kaum entschlüsselt werden konnten. 

U ist eine der ältesten mt-Haplogruppen Europas, die beiden Untergruppen von U5, U5a und U5b, haben ihre höchste Konzentration im Norden Europas bei den Saamen, Finnen und Esten.

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