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Amts-, Berufs- und Standesbezeichnungen

Einige der alten Begriffe für Berufe sind völlig aus der Mode gekommen und bedürfen der Erklärung. Hier ist eine Zusammenstellung für die im Ortsfamilienbuch vorkommenden Begriffe. Ihre Erläuterungen stammen aus der Sonderschrift Nr. 18 des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, "Was waren unsere Vorfahren", gesammelt und erläutert von Kurt von Staßewski und Robert Stein, Königsberg (Pr.)1838; 3. unveränderte Auflage, Hamburg 1991

  • Arrendator/Arendator: Pächter. Viele Güter, einzelne Vorwerke und Höfe wurden im 17. und 18. Jahrhundert vom Landesherren oder privaten Grundherren in "Arrende" (Zeitpacht) ausgetan
  • Assecurant/Assekurant: er übernahm ein durch Krieg oder Pest "wüst" gewordenes Bauernerbe zur Neubesiedlung und erhielt eine "Assekuration" (Zusicherung), dass Zins- und Kontributionsreste niedergeschlagen seien. Er war persönlich frei, in der Regel auch von allen bäuerlichen Diensten und leisteten nach Ablauf der gewährten Freijahre einen höheren Domänenzins. Das Assekuratengrundstück, das manchmal auch auf Übermaßland entstand, konnte frei vererbt und mit Schulden belastet, aber nur mit Genehmigung der Kanner verkauft werden.
  • Bechler: fertigte kleinere Gefäße aus Holz, z.B. Becher, Eimer, Butterfässchen, Fischeimer u. dergl.
  • Brauer: Arbeiter der Mälzenbräuer, standen an den Braupfannen
  • Brettschneider: Gelegenheitsarbeiter, die von Ort zu Ort zogen und das Schneiden von Bau- und Nutzholz besorgten.
  • Cämmer/Cemmer: Amts-, Guts- oder Stadtkämmerer. Der Amtskämmerer z.B. stand an der Spitze eines Kammeramtes in herzoglicher und kurfürstlicher Zeit, war vom Amtshauptmann mit der Aufsicht über Polizei, Gerichtsbarkeit, Steuererhebung und Bewirtschaftung der Vorwerke betraut. Friedrich Wilhelm I. entkleidete ihn der öffentlich-rechtlichen Befunisse, seitdem nur noch wirtschaftlicher Verwalter.
  • Chatull-/Schatull-Cöllmer: Schatullgrundstücke entstanden im 17. und am Anfang des 18. Jahrh. durch Besiedlung von Waldgelände; die Zinsgefälle davon flossen der kurfürstlichen Schatullkasse zu. Der Schtullcöllmer besaß sein Grundstück zu cöllmischen Recht und genoss alle dessen Vorteile, zahlte einen Grundzins an die Schatullkasse und war frei von bäuerlichen Lasten. Die Schatullbauern (auch Berahmunger nach der ihnen ausgestellten Besitzurkunde, der Berahmung), zahlten ihren Zins ebenfalls an die Schatullkasse und leisteten dazu Forstdienste und Jagdfuhren.
  • Cöllmer/Kölmer: freie Grundbesitzer, die der Orden zu Kölmischem (Kulmer) Recht angesiedelt hatte. Kölmisches Recht verpflichtete zum Reiterdienst bei Verteidigung des Landes, geringfügiger Abgabe an Geld, Wachs und Pfluggetreide und gewährte ansonsten große Freiheiten, u.a. Vererbung des Gutes an Söhne und Töchter, Verkauf mit Vorwissen des Ordens, Privilegien der Fischrei usw. Bis zur Zeit Friedrich d. Großen entstanden neue kölmische Güter, deren Besitzer statt des Kriegsdienstes ein Zins auferlegt wurde. Wegen ihres angesehenen Rechts gehörten die Kölmer zur Oberschicht auf dem Lande und zu den Sog. Ständen, die auf Landtagen vertreten waren; zu ihnen gehörten die kölmischen Krüger, Müller, Erbsassen, Freie und Schulzen.
  • Dienstknecht: scheint eine für diese Gegend typische Bezeichnung für einen jungen Knecht (evt. einen, der sich in der Ausbildung befand) gewesen zu sein. Im Anschluss an die Ausbildung übernahmen diese einen Hof oder verdingten sich als Knecht bei einem Bauern. Das Grs der Männer, die bei der Heirat als Knecht bezeichnet werden, wird bei der Geburt des 1. Kindes Instmann genannt, möglicherweise wegen der Gründung eines eigenen Hausstandes.
  • Eigenkätner: Besitzer einer kleinen Stelle mit Wohnhaus (Kate), Garten und zuweilen etwas Land auf Kirchen-, Domänen-, adligem oder kölmischen Grund. Er zahlte einen geringen Grundzins und konnte seinen Besitz frei vererben.
  • Erbsass/Erbeinsass: Einsasse, der auf Grund der Vererbbarkeit seines (meist kleineren) Besitzes erweiterte Rechte hatte.
  • Fahnenschmied: Hufschmied bei den berittenen Waffen (Unteroffiziersrang)
  • Fastbäcker/Festbäcker: backte Brot aus Roggenmehl; sie waren streng geschieden von den Kuchen- oder Losbäckern, die lockeres Brot aus Weizenmehl herstellten.
  • Gartnierer: wurde bis ins 19. Jhrh. hinein der in herrschaftlichen Gärten beschäftigte gelernte Gärtner genannt (entspricht dem heutigen Gartenarchitekten oder Kunstgärtner
  • Gärtner: ländlicher Arbeiter, der ein eigenes Häuschen und ein Stück Land (Garten) besaß
  • Gastgeber: Gastwirt
  • Großknecht: der erste von den auf einem Hof gehaltenen Knechten. Er erhielt mehr Lohn, mehr Beschnitt und Beisaaten als die jüngeren Knechte. Im 19. Jhrh. entstand die Neuerung, dass die älteren, ein Gespann führenden Knechte sich verheiraten durften.
  • Halbhübner/Halbhüfner: Inhaber einer Bauernstelle, die nur ½ Hufe (Hube), etwa 8 ½ ha umfasste
  • Hochzinser: Bauer, dessen Grundstück durch Einkaufsgeld und höherem jährlichen Zins vom Scharwerk befreit war und nur mit wenigen Baudiensten und Fuhren belastete war. Das Grundstück konnte mit Grundschulden belastet werden, jedoch nur mit Genehmigung der Kammer veräußert werden.
  • Hofmann: Gutsangestellter, der auf einem Vorwek die Aufsicht führte, namentlich das Scharwerksvolk anstellte, auch für die sittliche Haltung des Gesindes verantwortlich war; seiner Frau (Hofmutter) oblag in der Regel die Beköstigung der unverheirateten Dienstleute, wozu der Gutsherr ein besonderes Deputat gab
  • Hospitalbauer: Bauer in einem Hospitaldorf, das unter der Grund- und Gerichtsherrschaft eines Hospitals (Stift, Armen- oder Krankenhaus) stand.
  • Hospilat: Insasse eines Hospitals
  • Huben-/Hufenwirt: Bauer, der auf einem ordnungsgemäßen Erbe saß, also Vollbauer war und seine Ackeranteile an der bäuerlichen Flur besaß.
  • Instmann: ländlicher Arbeiter bei einem Gut oder Kölmer. Ursprünglich zahlten die Instleute Miete für Wohnung, Garten und einige Morgen Land, leisteten mehrere unentgeldliche Scharwerkstage und arbeiteten im Übrigen gegen ortsüblichen Lohn, sooft sie der Gutsherr brauchte, andernfalls auch auswärts. Bei der sich nach 1850 heraubildenden Instenverfassung wurde die Ackernutzung (Instmorgen) beseitigt und schließlich die Deputatslöhnung eingführt.
  • Loh-/Rotgerber: gerbte Tierhäute mittels gerbstoffhaltiger Pflanzen, besonders der Lohe (Rinde, Blätter und Holz von Eichen und Fichten)). Das Leder wurde als loh- oder rotgares bezeichnet
  • losgegebene Magd/losgegebener Knecht: aus der Untertänigkeit einer adeligen Gutsherrschaft freigekauft oder freigelassen.
  • Losmann/ Einlieger: wohnte in Dörfern bei Bauern oder Eigenkätnern; Gelegenheitsarbeiter
  • königlicher Bauer: Inhaber eines Bauernhofs, dessen Eigentümer (Grundherr) der König war. Er nutzte das Grundstück und übernahm die dinglich an demselben haftende Lasten wie Zins, Scharwerk, Vorspann und Fuhren aller Art. Die Erblichkeit wurde durch Verordnungen von 1719, 1722, 1777 und 1790 bestätigt; als königlicher Bauer galt hautsächlich der Scharwerksbauer. Weitere Bezeichnungen waren: Amtsbauer, Amtseinsaswse, Domänenbauer, Immediateinsasse, königlicher Erbsass oder Einsasse etc. Durch Verordnung vom 27.Juli 1808 wurde den kgl. Bauern das uneingeschränkte Eigentum an ihren Höfen verliehen.
  • Mälzenbräuer: städtische Großbürger, die ein Haus mit Braugerechtigkeit besaßen, viel von ihnen hatten daneben einen Beruf, z.B. Postsekretär oder Justizkommissar. Der Mälzenbräuer durfte sein Bier vor 1806 nicht unmittelbar an das Publikum verkaufen, den Zwischenhandel hatten die Bierschänker, je 2 wurden jedem Mälzenbräuer vom Braukollegium zugewiesen.
  • Mietsmann: Tagelöhner
  • Praeceptor: Schulgehilfe
  • Radmacher: Stellmacher, Schirrmacher
  • Ratsverwandter: seit 1701 Ratsherr
  • Vagant: Landstreicher, Bettler
  • Wirt: Allgemeinbezeichnung für den auf seinem Erbe die Wirtschaft führenden Bauern
  • Zinsbauer: Bauer, der für das ihm zur Nutzung überlassene Erbe statt des Scharwerks einen jährlichen Zins entrichtete und nur geringfügige Dienste und Fuhren leistete. Die Bezeichnung wurde vornehmlich in adeligen Dörfern gebraucht, während man in den königlichen Ämtern von Hochzinsern sprach
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