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Gründungsgeschichte Löwensteins

Löwenstein (Lebenstein, heute Lwowiec) gehörte zu den deutschen Dörfern, die der Komtur von Balga, Gottfried von der Linden während seiner Amtszeit von 1372-1374 östlich de Alle im Gebiet des Waldamtes Leunenburg gründete. Dem Schulzen Nickel wurden 75 Hufen verliehen, 4 davon erhielt die Kirche und 6 der Schulz. 1386 gaben die Bauern 11 Hufen zurück, da sie nicht in der Lage waren, alle zu pflügen und zu besähen, sodass das Dorf über 60 Hufen verfügte.

Löwenstein wurde als typisches Kolonistendorf angelegt mit einem Anger in der Mitte, auf dem Kirche, Krug und Schmiede, später auch die Schule lagen. An beiden Längsseiten zogen sich die Straßen hin, an deren Außenseiten die Höfe lagen. Der Dorfkomplex war von einem festen Zaun umgeben, aus dem Tore, die nachts bewacht werden mussten, ins Freie führten.i Noch heute, nach 6 ½ Jahrhunderten und mehreren Kriegen ist diese ordenszeitliche Anlage - bis auf den Zaun - zu erkennen.

Plan Löwenstein.png

Löwenstein Ausschnitt Messtischblatt Nr. 1792 von 1932 (1:25 000)

                                                                                                         

Die sehr gut erhaltene Löwensteiner Kirche wurde zwischen 1440 und 1450 gebaut und gehört zum Typ der ermländischen Dorfpfarrkirche. Das Langhaus wurde nach dendrochronologischen Untersuchungen zwischen 1440 und 1450 erbaut, der untere Turmteil um 1480.ii

Löwenstein.png

  Ansicht von Nordosten [Foto: Alexander Konieczny 2002]

1763 wurde der Turm durch ein schweres Unwetter beschädigt. Dann, am 15. Mai 1800, stürzte die Turmspitze ein, zum Glück, ohne weiteren Schaden anzurichten und wurde noch in demselben Jahr repariert. Es gab 3 große Glocken und eine kleine ("die kleine Klinger Glocke"), die, nachdem sie einen Riss bekommen hatte, 1802 umgegossen wurde.iii

"1835 ward die Kirche äußerlich und innerlich repariert, die Decke fast neu gemacht, die Orgel von dem Orgelbauer Papendieck aus Ragnit ganz nach ihrer Erbauung gereinigt u. gestimmt. Die Reparatur kostete 189 Rt., die Decke einige 90 Rt., der Orgelbauer erhielt extra der freien Beköstigung 20 Rt. Während des mehrwöchentlichen Bauens ward der Gottesdienst mit Ausschluß des Heil. Abendmahls, welches ganz wegfiel, in der Widdem gehalten." iv

 


Im Inneren der Kirche ist vom früheren Inventar nicht viel übrig geblieben, doch die drei wesentlichen Dinge, Orgel, Flügelaltar und die schöne geschnitzte und bemalte Kanzel von 1609, heute noch mit deutscher Inschrift, sind erhalten und werden gebraucht.

 Kirche Löwenstein Innenraum.png

Innenansicht [Foto Alexander Konieczny 2002]

Löwenstein wurde als "landesherrliches" Dorf gegründet, was gegenüber den "adeligen" Dörfern als Vorteil gesehen wurde, da der Landesherr weiter weg war als ein adeliger Besitzer. Man verkehrte hauptsächlich mit den Bewohnern der gleichen Dorf-Kategorie und suchte sich dort den Ehepartner. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Dorfschaft als Herren den Orden, dann, ab der Reformation den Herzog von Preußen, danach den Kurfürsten von Brandenburg-Preußen, ab 1701 den König in/von Preußen. Während der Ordenszeit gehörte das Kirchspiel Löwenstein zur Komturei Balga, in der herzoglichen  Zeit zum Amt Rastenburg.

Die älteste namentliche Aufzählung der Löwensteiner Bauern stammt aus einem Steuerverzeichnis des Jahres 1540 und enthält 32 Namen:

Jakob Burkarth Plamann Zander Krüger Hans Burckardt
Nickel Schoester Jakob Burckarth Weiner Greger Polen
Blumenau Krause der Schmidt Perske
Hesselbergk Bartholes Benicke Wichmann Schonborn
Meckelburgk Hans Scholtze Cäntelbergk Jakob Polen
Lorenz Schonborn Mertin Knopf Blumenau Kanke (?)
Fabian Benfeldt Frantz Meyer Wilke
Berger (Greger?) Stobbe Andres Benick Jakob Hartungk  v

 Der Löwensteiner Pfarrer Bernhard Hippel (1717-1738) verfasste nach der Kirchensteuerliste von 1588 eine Aufstellung von 23 Bauern mit Hofgrößen von je 2 bis 3 Hufen. Ein großer Teil der Namen ist geblieben:

Kaspar Benicke Hans Großmann Christoph Zachau Andres Gelhar
Matthäus Senff Martin Treppenhauer Hans Pohl Dionysius Plaumann
Felix Schultz Michael Volkmann Michael Bries Martin Conrad
Paul Borchert Gregor Zachau Franz Meckelburg Domnick Volkmann
Thomas Benefeld Valentin Großmann Martin Schönborn Peter Borchert  vi
Andreas Stobbe Hans Blumenau Benedikt Behrindt  

 

Verpfändung

Ein einschneidendes Ereignis beschäftigte die Löwensteiner Bevölkerung von 1619 bis 1679, der Verlust ihrer privilegierten Stellung als landesherrliches Dorf. Der Kurfürst von Brandenburg und Herzog von Preußen, Johann Sigismund (1572-1619), rechtmäßiger Herr Löwensteins, verpfändete das Dorf 1616 an den Burggrafen und Landhofmeister Friedrich zu Dohna für 10 000 Gulden polnisch. Zunächst änderte sich nichts an der Stellung der Bevölkerung, als aber der Burggraf 1630 starb, kam das Dorf durch Erbschaft an den Landrat und Vogt zu Fischhausen Fabian Borcke, der mit der Tochter des Burggrafen Friedrich zu Dohna verheiratet war. Der neue Herr verlangte von der Dorfschaft 180 Dukaten und 180 [...] Zins. Ein Jahr bezahlten die Löwensteiner diese Summe, klagte aber dann beim Fürsten. Ob sie eine Antwort erhielten, ist aus den Akten nicht ersichtlich. 1646 schließlich kam Löwenstein, wieder durch Erbschaft, an den königlichen Kammerherrn und Obristen Achatius von Kreytzen. Inzwischen betrug die Pfandsumme 36 000 Mark. Achatius von Kreytzen benötigte aber selber Geld und der Dorfschaft wurde angeboten, sich selbst durch Aufbringung der 36 000 Mark auszulösen.

"....Alß haben gedachte Einwohner deß Dorffs Lowenstein dieße unsere angebothene gnade nicht allein mit unterthänigstem Danck angenommen, sondern uff unsere gute Concession die sechs und dreysig Tausend Marck Capital an guter gangkbarer Mümtze zur Handt geschaffet und dieselbe auff einen Hauffen in unßere Renttkammer erleget..."  vii

Die Beschaffung des Geldes war für die Löwensteiner Bauern in der damaligen Zeit nicht einfach. Da so ein großer Betrag nicht von den Kirchenkassen aufgebracht werden konnte viii, liehen sie es sich anscheinend bei einem Königsberger Kaufmann, indem sie Hypotheken auf ihre Höfe aufnahmen und diese viele Jahre hindurch abzahlten.

Am 27.10.1663 erhielt die Dorfgemeinschaft Löwenstein vom Kurfürst eine neue Verschreibung.ix Damit war aber der Ärger noch nicht vorbei. 1679 verfassten Schulzen und Dorfschaft eine Beschwerde wegen der der Verschreibung widersprechenden Belastungen durch Postfuhren und Scharwerk für den Mühlenmeister von Schippenbeil. Sie führten an, dass

"...wir armen Leute dann vor 3 Jahren gantz abgebrandt, und durch die Feuersbrunst all daß unsrige verloren [...] daß unß gnädigste ertheilte und von uns so teur erworbene privilegium wieder Euer Churfürstl. Durchl. eigen Interesse streitet/ :dann wann wir, Scharwerck, Postfuhr und dergleichen Unpflichte wieder alle billigkeit verrichten sollen, können wir unmöglich auff den Huben bleiben und Euer Churfürstl. Durchl. den hohen Zins der 50 Marck von der Huben erlegen/.gelanget derohalben an Euer Churfürstl. Durchl. unser demütigst bitten, der hiesigen Regierung gnädigst anzubefehlen, daß sie unß bey obgemelten prililegio gebührendt schützen...." x

Der Kurfürst kümmerte sich und wies das Amt Rastenburg wegen der Postfuhren und den Mühlmeister in Schippenbeil wegen des Scharwerks an, sich an den Wortlaut der Verschreibung zu halten - was dann auch geschah.

Die Schule

Bis in die Zeit des Soldatenkönigs soll Schulunterricht auf dem Lande, wenn überhaupt, nur in den Kirchdörfern stattgefunden haben - hier also in Löwenstein. Allerdings ist an Hand der Kirchebücher für Kröligheim eine kontinuierliche Reihe von Schulmeistern ab ca. 1659 nachweisbar, während in Löwenstein keine Lehrer speziell genannt werden, da der jeweilige Kantor die Lehrerstelle innehatte. Ein Schulgebäude ist in Löwenstein in den Monaten Mai und Juni 1727 gebaut worden. xi


Fußnoten:

  1. AF, Jahrgang 6, S. 240
  2. Kirche im Dorf, S.44
  3.  Hippel, S. 5 rechts
  4. Hippel, S.7 rechts
  5. Gerdauen, S. 142, 143
  6. Gerdauen, S. 143
  7. EM; 119d, Nr. 63
  8. siehe unter "Pfarrer und Kirchenvorsteher
  9. EM; 119d, Nr. 632
  10. EM; 119d, Nr. 633
  11. Hippel, S. 23 rechts

 

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