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Pfarrer im Kirchspiel Löwenstein

Im Totenbuch des Kirchspiels Löwenstein (B1961 des Staatsarchivs Leipzig), das die Jahre 1717-1796 umfasst, begann Pfarrer Bernhard Hippel mit der Aufzeichnung über seine Amtsvorgänger.

  • Der 1. Pfarrer nach der Einführung der Reformation war Martin Matz, er war auch zuständig für die Kirche in Laggarben. Er starb am 14.April 1540
  • Jacob Eiben wurde 1541 vom "alten Herrn" (Herzog Albrecht) auserkohren, wurde von Johann Pauli, Pfarrherrn zu Rastenburg, am Dreikönigsfest eingeführt, hat 1574 das Concordienbuch unterschrieben und starb 1575
  • Christian Martini, aus Friedland, wurde 1575 berufen vom "jungen Albert Friedrich" - dem regierungsunfähigen Sohn Herzog Albrechts - "oder seinen Leuthen, da er noch gutt war", wurde eingeführt am 1. Sonntag nach Ostern von Matthias Brew, Pfarrherrn zu Rastenburg, starb 1595
  • Christoph Martini, Schwiegersohn seines Vorgängers Jacob Eiben, wurde 1595 berufen und von Caspar Stürmer, Pfarrer zu Rastenburg eingeführt. Er starb 1608. Nach seinem Tod verbrannte seine Frau, die von "blöden Verstande" war, das Taufbuch, das die Einträge seit der Reformation enthielt, im Backofen.
  • Peter Bodendorf war Pfarrer von Löwenstein ab 1608, wurde eingeführt von Gerhard Roberti, Pfarrer in Rastenburg. Er starb 1641
  • Johann Reichel, aus Angerburg, wurde 1641 vom Großen Kurfürsten berufen und eingeführt vom Erzpfarrer zu Rastenburg Christian Singknecht, wurde 1644 in das Dekanat nach Schippenbeil versetzt

Für die frühe Zeit bestehen große Unterschiede zwischen dieser Aufstellung von Bernhard Hippel und der von Friedwald Moeller i

 Friedwald Moeller:                                                                               Bernhard Hippel

Donatus, N erwähnt 1532Martin Matz 1525-1540
Stör, Theophilus erwähnt 1534Martin Matz 1525-1540
Gernick, Johann 1543- 
NN -1556 
Eiben, Jacob 1556-1598Jacob Eiben 1541-1575
Martini, Christian 1602-1607Christian Martini 1575-1595
fehltChristoph Martini 1595-1608
Bodendorf, Peter 1638-1644Peter Bodendorf 1608-1641
Reichel 1638-1644Johann Reichel 1641-1644

 

Ob es wirklich zwei Pfarrer Martini gegeben hat, ist nicht sicher, da es in der einen Quelle ii von 1595 heißt: Pfarrer Eibens Tochter  sei verheiratet mit Christian Martin, der auf Wunsch des alten Pfarrers Nachfolger in Löwenstein werden sollte und in einer anderen Quelle iii Christian Martin starb 1608.

Hippels Aufstellung wurde von einigen seiner Nachfolger fortgeführt. Die folgenden Pfarrer sind in beiden Aufstellungen im wesentlichen gleich:

  • Laurentius David Ranger 1644-1652, wurde danach Erzpriester in Schaaken, Königsberg
  • Georg Werner aus Königsberg 1653, ging 1654 nach Tilsit
  • Georg Cretschmer aus Zinten wurde 1654 berufen, wurde eingeführt von Erzpriester Christian Walter, starb 1680
  • Georg Hippel aus Rastenburg wurde von Georg Heilgendörffer am 2. Advent 1680 eingeführt, starb 1717
  • Bernhard Hippel aus Rastenburg wurde 1717 vom Archi-Presbyter Friedrich Seuberlich aus Rastenburg eingeführt, starb am 21.12.1738
  • Christophorus Albertus Stein aus Königsberg wurde vom Archi-Presbyter Andreas Schumann aus Rastenburg eingeführt und 1746 als Diakon nach Pr. Eylau versetzt
  • Georg Christoph Decker aus Zinten wurde vom Archi-Presbyter Andreas Schumann aus Rastenburg 1747 eingeführt und starb 1753
  • Michael Jacob Ribbach aus Straußf. in der Mark, war zuvor Rektor in Liebstadt, wurde 1753 eingeführt und starb 1764
  • Johann Friedrich Schleswig aus Fischhausen, war zuvor Kantor in Königsberg, wurde 1761 dem Pfarrer Ribbach als Adjunkt zugeteilt und 1764 als Pfarrer eingesetzt
  • Gotthard Friedrich Hippel war zuvor Diakon in Gerdauen, wurde 1778 Pfarrer in Löwenstein und 1782 versetzt nach Klein Schönau
  • Theodor Benjamin Schenkel war zuvor Rektor in Gerdauen, wurde 1782 Pfarrer in Löwenstein und 1794 versetzt nach Drengfurth
  • Friedrich Tarrach, geboren am 1. Januar 1761 in Kaukehlen in Litauen, war zuvor Kantor in Leunenburg, wurde 1794 vom Erzpriester Pisanski aus Rastenburg eingeführt
  • Johann Gottlieb Brandt aus Königsberg wurde 1812 eingeführt und 1827 nach Rudau versetzt
  • Friedrich Bernhard Liedtke, geboren am 21. August 1800 in Pr. Holland, wurde am 2. November 1827 vom Superintendenten Lindenau aus Nordenburg eingeführt. 1844 wurde er nach Herzogenwalde und Waltersdorf versetzt
  • Georg Wilhelm Petersen, Pfarrer in Löwenstein 1844-1881 (wird im Verzeichnis Hippe nicht erwähnt)
  • Eduard Johann H. Erdmann, Pfarrer in Löwenstein 1881-1909
  • Leo Adolf Stamm aus Reddnau bei Schönbruch, Kreis Friedland 1909-1930

Ab 1930 wurde die Löwensteiner Kirche teils von Friedenberg aus, teils von Hilfspredigern versorgt iv

  • Helmuth Passauer schloss sich um1934 mit den Kirchengemeinden Löwenstein und Dietrichsdorf der Bekennden Kirche an
  • Hans Puscchke
  • Heinz Tscharnowski
  • Herbert Friedrich Karl Tolkmitt, geboren am 3. August 1910 in Sehmen, Kreis Friedland, Hilfsgeistlicher in Löwenstein 1936-1939; , wurde am 18. November 1937 verhaftet wegen einer nicht erlaubten Kollekte, das Verfahren wurde am 30. April 1938 eingestellt. Am 15. August 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen.

Zu diesem Pfarrer füge ich die Ausführungen von Gerhard Briese aus seiner Löwensteiner Chronik hinzu:

"Herbert Friedrich Karl Tolkmit (29) [dort steht der Name mit nur einem t]

Er folgte als letzter am 1. Oktober 1936 als Prädikant, Pfarramtsverwalter. Er wurde am 3.8.1910 in Sehmen bei Schönbruch im Kreis Bartenstein als Sohn eines Volksschullehrers geboren. Eingesetzt wurde er vom Evangelischen Konsistorium der Provinz Ostpreußen. Am 10.10.1937 ordinierte er in der alten Kirche zu Goldap als Hilfsgeistlicher beim Rat der Ostpreußischen Bekenntnissynode. Die Unterstellung unter das Konsistorium als Kirchenregiment lehnte er mit Zustimmung der Kirchenvorstände von Löwenstein und Dietrichsdorf ab.

Nach einer nicht erlaubten Kollekte wurde Herr Tolkmit beim Amtsgericht Gerdauen am 18.11.1937 verhaftet. Am 22.11. erschienen die Gemeindekirchenräte im Gefängnis, übernahmen die Schuld betreffs der nicht erlaubten Kollekte und erwirkten nach telefonischer Verhandlung mit der Oberstaatsanwaltschaft Bartenstein die Aufhebung des Haftbefehls. Nach einer Führeramnestie vom 30.4.1938 wurde das Verfahren eingestellt.

Es folgten weitere Aufforderungen des Konsistoriums betreffs Unterstellung und Prüfung, die er gemeinsam mit dem Kirchenrat ablehnte. Darauf kam es zzur Einstellung der bescheidenen Gehaltszahlung von 100 RM monatlich, nebst Wohnrecht (29 RM) und am 21.4.1939 zur Zwangsräumung.

Frau Tolkmit zog mit ihren Möbeln zu Pfarrer Dr. Hirsch nach Schippenbeil und die Bauern finanzierten ihren Pfarrer selbst.

Am 15.8.1939 erfolgte die Einberufung zur Wehrmacht. Nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft wurde er in die Heimat seiner Frau nach Annaberg im Erzgebirge entlassen. Dort war er im Kirchendienst der DDR, zuletzt Oberkirchenrat, wohnhaft in Dresden.

Zu einem Teil der Mitglieder seiner alten Kirchengemeinde Löwenstein und Dietrichsdorf hat Herr Tolkmit die Verbindung aufrecht erhalten. In den ersten achtziger Jahren hat er bei Käthe Behrendt einige seiner Konfirmanden getroffen.

Einen ausführlichen Bericht von Herrn Tolkmit mit den Erinnerungen an seine schwere Zeit erhielten wir zu unserer 600-Jahr-Feier in der Stadt Löwenstein. Von seinem Bericht gebe ich an dieser Stelle noch folgende Sätze wieder:

'Wenn ich auf mein Leben als Pfarrer zurückschaue - eine seltsame Pilgerreise - so war Löwenstein die kürzeste Zeit, in der meine Frau und ich in einer Gemeinde arbeiten durften, zugleich aber die schönste und am meisten im Gedächtnis gebliebene. Woran es liegt, können wir beide nicht gänzlich ergründen. Wir übertreiben nicht, wenn wir noch heute sagen: Löwenstein ist unsere gemeinsame Heimat geblieben.'

In einem späteren Brief an mich bedauerte er die von den Polen vollzogene Umgestaltung des Kircheninneren. Gefreut hat ihn dabei, daß auf dem Kanzelhintergrund noch der deutsche Satz steht. 'Das tat ich für Dich' " (S. 30 und 31)


Fußnoten:

  1. Pfarrer, S. 89
  2. EM, 119d; Nr. 561
  3. EM, 119d; Nr. 563
  4. Briese, S. 30

 

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