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Das Herzogtum Preußen 1525 bis 1618

Herzog Albrecht von Preußen.jpg

Als 1510 Hochmeister Friedrich von Sachsen starb, wurde Albrecht von Brandenburg-Ansbach, ein Vetter der brandenburgischen Hohenzollern, zu dessen Nachfolger gewählt.

Dann kam die Reformation, Albrecht trat als Anhänger Luthers zum evangelischen Glauben über und die Einwohner des Landes wurden, weil Untertanen zu der Zeit immer die Religion des Herrschers annehmen mussten, protestantisch. 1525 wurde Preußen im Vertrag von Krakau zu einem weltlichen Herzogtum unter polnischer Oberlehnshoheit umgewandelt, Herzog wurde der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Die meisten Ordensritter traten aus dem Orden aus und wurden vom Herzog mit Ämtern oder Lehnsgütern versorgt, aber einige zogen unter Protest in die Ordenshäuser in Deutschland. Bad Mergentheim wurde Hauptsitz der verstreuten Restbesitztümer. Unter Napoleon wurde der Orden 1809 aufgelöst. Heute gibt es wieder einen deutschen Orden mit Sitz des Hochmeisters in Wien.

 Um nicht den Überblick zu verlieren, hier eine kleine Auswahl der Dinge, die in der restlichen Welt passierten:

  • In England herrschten nach den Rosenkriegen zwischen den Häusern York und Lancester jetzt die Tudors, inzwischen war der zweite Tudor Heinrich VIII. auf dem Thron und hatte die Reformation auf seine Weise eingeführt, indem er sich vom Papst lossagte.
  • In Russland tyrannisierte etwa zur gleichen Zeit Iwan Grosny der Gestrenge (oder auch der Schreckliche) sein Volk
  • Im fernen Peru war Lima als Hauptstadt des eroberten Inkareiches gegründet worden
  • Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war seit 1520 der 3. Habsburger Karl V. Kaiser (1530 vom Papst in Bologna gekrönt)
  • Im Kurfürstentum Brandenburg, zu dem Preußen später einmal gehören sollte, regierten seit 1415 die Abkömmlinge der fränkischen Linie der Hohenzollern (daher Brandenburg-Hohenzollern genannt), jetzt, 1539, war es Joachim II. Hektor, der Urgroßvater des Großen Kurfürsten, ein ziemlich unbedeutender Mann.

Die Reformation wurde in Preußen ohne große Schwierigkeiten durchgeführt. In einige größere Städt schickte Herzog Albrecht evangelische Prediger, so auch z.B. nach Rastenburg. Die Kirchen wurden vom katholischen Zierrat befreit, indem man die Bilder, silbernen Becher und Leuchter verkaufte. Gerätschaften, die auch im protestantischen Gottesdienst gebraucht wurden, wurden übernommen, von anderen wurde registriert, wer sie kaufte i :

"1 Perlenkranz hat Bredinski genommen, 1 Kelch hat Melcher Petsch genommen. Die Speise von der verbrannten Glocke hat Gablenz hinweggenommen. 3 Kaseln (i.e. priesterliches Messornat) hat Bauer Kron und Herr Gablenz genommen."

Störrisch auf orthodoxen Religion beharrende Pfarrer wurden aus ihren Ämtern entfernt, übertrittswillige darin belassen. Einer der wenigen Zwischenfälle ereignete sich im Rastenburger Gebiet: Dort war ein fanatischer protestantischer Haufen aus Rastenburg zur Kapelle Heilige Linde gezogen, hatte sie zerstört, den damals noch in der Kapelle stehenden Stamm der Linde in einem nahen See versenkt und alles, was irgendwie brauchbar war, wie Steine und Balken, mit nach Rastenburg genommen. Der Befehlshaber von Rastenburg erließ das Verbot der Wallfahrten zur Heiligen Linde, und weil sich nicht alle  an dieses Verbot hielten, ließ er dort einen Galgen aufstellen und mehrere Wallfahrer daran aufhängen. ii

Katholisch blieb lediglich das Fürstbistum Ermland, dessen Schirmherr seit 1464 der polnische König war. iii

Bauernunruhen, wie sie es in Deutschland gegeben hatte, waren nur und auch nur schwach im Samland aufgetreten, da die Kolonisation ein persönlich freies Bauerntum geschaffen hatte mit bestem Besitzrecht und der Druck der Gutsherren auf ihre untertänigen Bauern um 1525 noch recht gering war. iv

Eine andere Bedrohung aber stand nicht nut vor Preußen, sondern vor dem ganzen christlichen Europa: die Türken. Seitdem die muslimischen Türken 1453 Konstantinopel erobert hatten, waren sie eine immer wiederkehrende Gefahr gewesen. 1538 versetzte die Nachricht von gewaltigen Rüstungen des Sultans alle aufs Neue in Angst und Schrecken. Ein vereintes Vorgehen gegen die Türken wurde durch den Streit zwischen Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich um die ungarische Königskrone erschwert, daher schloss Polen 1528 alleine einen auf 3 Jahre befristeten Separat-Frieden mit dem Sultan. Um aber für die Zeit danach gerüstet zu sein, musste man Vorbereitungen treffen. Herzog Albrecht, der dem polnischen König im Fall eines Krieges bewaffnete Soldaten zu stellen hatte (seit dem 2. Thorner Frieden 1466), befürchtete,  dass auch Preußen selbst bedroht werden könnte und erließ, um finnanziell gerüstet zu sein, die sogenannte Türkensteuer.

Die gesamte Bevölkerung des Herzogtums musste einmalige Abgaben zahlen, u.a. jedermann 10% auf Zinseinnahmen, Kapitalerträge und Warenverkäufe und jedermann 1 Groschen pro Person, gleichgültig, ob er arm oder Reich war, Adelige 2 Mark  und Freie 1/2 Mark von jeder Hufe ihres Landes, jeder, der Vieh hielt, musste pro Stück je nach dessen Wirtschaftswert eine Abgabe leisten, wer auf dem Lande kein Vieh hielt, musste eine Abgabe "vom Rauch", also seiner ihm gehörenden Hauswirtschaft geben. v

Zu den Vorbereitungen auf den Kriegsfall gehörte auch die Stärkung der Kampfkraft und so schrieb der Herzog am 19. August 1539 an den Hauptmann zu Mohrungen, den Burggrafen Dohna:

" Der wütende Feind der Christenheit und des göttlichen Namens, der Türke, wolle sich mit großer Macht und mit viel Volk nach Ungarn begeben, in der Absicht in Deutschland und anderen Ländern mit Raub, Mord und Brand einzufallen. Niemand wisse jedoch, wo der Türke eindringen werde. Er befehle deshalb dem Hauptmann, er solle allen von Adel, allen Freien, Schulzen und Krügern ansagen, sich mir Harnisch, Knechten und Pferden zu rüsten, wie sie zu dienen verpflichtet seien. Sie sollen in solcher Rüstung sein, daß man sie jederzeit, wenn sie erfordert werden, fertig und bereit finde."  vi

Zum Glück für Preußen kamen die Türken nicht so weit und so war die Regierungszeit Herzog Albrechts (1525-1568) eine verhältnismäßig friedliche Zeit. Auch als der Herzog 1568 starb. blieb es ruhig, obgleich die Erbschaftsangelegenheiten etwas schwierig waren, denn der einzige, dazu noch minderjährige Nachkomme war der sogenannte "blöde Herr" Albrecht Friedrich und im Hintergrund stand immer die Furcht vor dem "Heimfall" an Polen. Daraufhin wurden sicherheitshalber zwei weitere Verwandte als Nachfolger mitbelehnt, Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach, ein Neffe des verstorbenen Herzogs, sowie der Kurfürst von Brandenburg-Hohenzollern Joachim II Hektor, der Sohn seines Vetters Joachim I. Nestor.

Zur besseren Übersicht:
Stammtafel-Herzöge_trans.png 

Um 1600, als der tatkräftige Neffe Georg Friedrich Regent für "blöden Herrn" war, wurde das friedliche Leben gestört, als Schweden und Polen wegen eines Erbkonflikts um Livland stritten. Preußen musste nicht nur den Durchzug polnischer Truppen dulden, sondern auch fürchten, dass die schwedischen Truppen die preußische Küste angreifen könnten und es wurde wieder einmal Kampfbereitschaft von der Bevölkerung gefordert. Alle gesunden und kräftigen Männer unter 40 Jahren sollten herangezogen werden, um das sog. Defensionswerk aufzubauen. Die

"ritterdienstlichen Freien, Schulzen und Krüger hätten allsonntäglich in manierlicher Kleidung und Haartracht mit ihren Pferden zu Übungen zu erscheinen, und zwar persönlich wie es ihre Handfesten verschrieben; werde ein Stellvertreter zugelassen, müsse es immer derselbe sein, damit die Übungen nicht vergebens seien."

Der Adel sei "bescheidentlich" darauf hinzuweisen, dass im fürstlichen Zeughaus in Königsberg gute Waffen und Harnische für ein Billiges zu haben seien. Die Bauern sollten aber, auch um sie "vor dem verderblichen Müßiggang, namentlich vor dem gottlosen Saufen" zu bewahren, nicht nur das Schießen lernen, sondern auch, wie sie sich einzeln und im Gliede bewegen sollen, wenden, aufschließen, ausschwärmen etc., alles "recht fix und fein hurtig". vii Alle in Frage kommenden Männer wurden , getrennt nach "Muschketirer" und "Hellepartirer" in Listen eingetragen, in denen auch vermerkt wurde, ob sie alle notwendigen Ausrüstungsteile besaßen - die Musketiere "Muschkete, Portaleder, Pulverflasche und Seitenwehr", die Hellebarden "Helleparten und Seitenwehr". Abgesehen von den ständigen Maneuvern ging aber auch diese Bedrohung einigermaßen glimpflich ab.

Ein ganz anderes Ärgernis geschah 1613; Preußen war nun seit fast 100 Jahren protestantisch, und zwar lutherisch wie sein Herrscherhaus, als sich Kurfürst Johann Sigismmund und sein Sohn Georg Wilhelm - also Großvater und Vater des Großen Kurfürsten - im Jahr 1613 der radikalen protestantischen Lehre Calvins anschlossen. Die Untertanen waren empört, befürchteten sie doch, jetzt auch, wie üblich, dem Herrscherhaus folgend, einer Religion von "Teufelsanhängern" beitreten zu müssen, zumal ein großer Teil des Adels - z.B. die Dönhoffs, Lehndorffs, Dohnas, Podewils - sich ebenfalls der Reformierten Kirche, wie die der Calvinisten hieß, anschloss. Und obgleich der Kurfürst eine damals ungewöhnlliche Toleranz zeigte und das Volk weiterhin lutherisch glauben durfte, er selbst also zu einer religiösen Minderheit in seinem Land zählte, kam es viele Jahre lang zu Attacken gegen die neue Reiligion, selbst innerhalb der kurfürstlichen Familie, wenn z.B. die Mutter des Kurfürsten als überzeugte Lutheranerin ihren eigenen Prediger in der Schlosskapelle gegen die Religion ihres Sohnes und seiner Familie wettern ließ. viii Wie tief der Gegensatz war, wird deutlich an den Schwierigkeiten, die der Große Kufürst bei der Beisetzung seines Vaters noch 1642 hatte: Dem reformierten Herrscherhaus stand in Königsberg nur die Schlosskapelle zur Verfügung, die Leichenpredigt sollte der reformierte Hofprediger D. Johann Bergius aber nach dem Wunsch des Kurfürsten in der lutherischen Schlosskirche halten. Ein Sturm der Entrüstung brach los: Es sei eine "christlich billige Bitte, dass D. Bergius in Verrichtung der Leichpredigt sich seines Ortes halte und der unser Lehr und Gottesdienst übergebene Canzel sich dazu nicht anmasse , sondern dieselbe von ihm unberührt bleibe..." Entweder solle ein lutherischer Geistlicher die Predigt in der Schlosskirche halten, oder die Feier müsse in der Kapelle stattfinden. Der Streit wurde schließlich vom katholischen polnischen König entschieden, der befahl, die geplante Feier in der Schlosskirche mitsamt reformierten Prediger zuzulassen. ix


Fußnoten

i Aweyden, S. 8

ii Rastenburg, S. 28

iii APG XI, S. 153 und 154

iv APG VII, S. 33 und 34

v Tuerkensteuer, S. 38*

vi Tuerkensteuer, S. 22*

vii Heling, S. 261-266

viii Beuys, S. 19

ix Beuys, S. 87 und 88

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