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Der Ordensstaat 1226 bis1525

Die Bevölkerung ganz Preußens um 1230 schätzt man auf 150 000 bis 170 000. Landmeister Balk und eine Handvoll Ordensritter hatten 1226 mit der Eroberung des Landes begonnen. Die älteste - legendhafte - Erzählung über den Beginn der Eroberung beschreibt es folgendermaßen:

"Die Prußen hatten 3 Verschanzungen, von denen sie sich dem Kampf gegen die Ritter stellten. Die Ordensbrüder und Meister waren nur acht Leute, die von einer gewaltigen Eiche auf dem rechten Weichselufer aus, um die sie einen Graben gezogen hatten, kämpften. Die Ordensbrüder waren durch Waffen und Kriegsübungen den viel zahlreicheren Gegnern überlegen, so gewannen sie gegen die erste Schanze, und nur deren Hauptmann überlebte. Er gewährte ihnen Zugang zur nächsten Verschanzung und schließlich zur dritten. Dessen Befehlshaber, ein naher Verwandter, wurde dann gräßlich umgebracht." i

Auf diese Weise und mit so wenig Kämpfern war eine planmäßige Eroberung natürlich nicht möglich, aber bald kamen Fürsten aus dem Reich dazu, für die  die Teilnahme an der Christianisierung der letzten europäischen Heiden viel billiger und ungefährlicher als ein Kreuzzug ins Heilige Land, beides war ja durch den Erlass des Papstes gleichgestzt worden.Es kamen z.B. Burchardt von Querfurth, ein Nachfahre des Märtyrers, und der jüngere Markgraf Heinrich von Meißen mit ihren bewaffneten Mannen.

Nach den ersten Erfolgen wurde Thorn gegründet, so genannt in Erinnerung an die berühmte Höhe Thoron bei Akkon. Heinrich von Meißen, durch erzgebirgischen Bergbau reicher als die übrigen Fürsten, brachte zwei Segelschiffe mit, jetzt konnte auch von der Wasserseite her das Land unterworfen werden. In einem weiten Bogen - Kulm, Marienwerder, Elbing (1237), Braunsberg, Balga (1239), Königsberg - wurden die Eroberungen fortgesetzt und in regelmäßigen Abständen "feste Häuser" errichtet, Stütz- und Schutzpunkte. Zur weiteren militärischen Sicherung der eroberten Gebiete verlieh der Orden Dienstgüter an rittermäßige Leute.

So hatte der Deutsche Ritterorden seine Herrschaft entlang der preußischen und durch Vereinigung mit dem livländischen Schwertritterorden auch der lettischen Küsten und Grenzen einigermaßen gefestigt, als ein Ereignis eintrat, das fast alles bisher erreichte zunichte gemacht hätte: der Prußenaufstand von 1243.

Die Mongolen unter Dschingis Khan hatten in den ersten zwei Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts Tataren, Chinesen, Perser, Russen in Angst und Schrecken versetzt und große Teile Asiens erobert, hatten diese Politik nach dem Tod von Dschingis Khan 1227 für einige Jahre unterbrochen, weil das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt worden war. Nun aber hatten sie ihre Kräfte gesammelt und ihre Eroberungszüge wieder aufgenommen. Der Sturm der Mongolen ging zwar an der Südgrenze Preußens vorbei, 1241 verheerten die Reiterhorden Polen, Schlesien, Mähren und Ungarn, vernichteten das polnisch-schlesische und das ungarische Heer, aber die Nachbarn der Prußen, die Litauer, schlossen sich den siegreichen Mongolen an und die nur notdürftig und gezwungenermaßen christianisierten prußischen Stämme schlossen sich, in der Hoffnung, die ungeliebten Eroberer wieder los zu werden, den Litauern an.

An der westlichen Grenze Preußens sorgte Herzog Swantopolk von Pomerellen (Hinterpommern, in der Gegend um Danzig an das Ordensland reichend) ebenfalls dafür, dass die Prußen sich gegen den Orden erhoben.

Trotz der Unterstützung vieler Ritter aus dem Reich brauchte der Orden sieben Jahre, um der Lage Herr zu werden und Stück für Stück das Land zurück zu erobern. Besonders wertvoll war die Hilfe König Ottokars II. von Böhmen, der mit einer großen Streitmacht anrückte. Dieser Ottokar war es auch, von dem man sagt, dass er mit treffendem Blick den Platz für eine neue Burg ausgesucht haben soll: Königsberg wurde dann dort erbaut, günstig gelegen zwischen frischem Haff und kurischer Nehrung.

1260 kam es zu einem weiteren Aufstand der prußischen Stämme, angeführt von 5 gewählten Fürsten: dem Samländer Glande, dem Ermländer Glappe, dem Pogesanier Auctume, dem Barten Divan und dem Natanger Hercus Monte, der zum Schluss als alleiniger Führer übrig blieb. 13 Jahre lang belagerten die Prußen die festen Häuser der Kreuzritter, nachdem sie inzwischen gelernt hatten, Wurfmaschinen und bewegliche Türme zu bauen. Kreuzburg, Wehlau, Bartenstein gingen den Kreuzrittern verloren, eine Burg nach der anderen musste verlassen werden. Eine Burgbesatzung irrte durch die Wildnis von Rastenburg 100 km in Richtung Krutinnen bis ins Herzogtum Masowien. Deutscher-Ritterorden1260.png

Von 1273 bis zum endgültigen Sieg 1285 eroberte der Orden alles Land zurück. Prußische Edle, die sich jetzt taufen ließen und sich damit dem Orden unterwarfen, erhielten entweder ihre angestammtes oder ein anderes Gut verliehen, die prußischen Bauern blieben in ihren Dörfern unter sich.


Fußnoten

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