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Die Organisation des Ordensstaates

Für Preußen - fernab vom Ärger um Kaiser Wenzel, vom päpstlichen Schisma und diesmal noch von der Pest, die das übrige Europa heimsuchte - war das 14. Jahrhundert eine Zeit der Blüte. Inmitten von Nachbarn, die große innenpolitische Probleme hatten - das Heilige Römische Reich auf dem Wege in die Zersplitterung, Polen verstrickt in Adelsquerelen und praktisch ohne zentrale Gewalt - baute der Orden seinen Staat auf, empfing ausländische Fürsten zu Festen im Großen Remter auf der Marienburg und zu "Reisen"  nach Litauen, wo man gefahrlos Kreuz- besser Kriegszüge zu den letzten europäischen Heiden unternehmen konnte, nachdem es ja sonst keine Kreuzzüge mehr gab. Einer dieser Gäste war der engliche Graf Heinrich von Derby, später König von England, dessen Rechnungen von seinen Preußenfahrten und "Reisen" nach Litauen von 1390/91 und 1392 noch erhalten sind. Hin und wieder allerdings wehrten sich die Litauer dagegen - bekannt geworden ist der litauische Fürst Kynstutte, der 1361 ein Ordensheer in der Schlacht von Milken, östlich von Rydzewen, Kreis Lötzen, schlug und 1378 die Burg von Eckersberg eroberte.

Der Orden bestand aus zwei Arten gleichberechtigter Brüder, den Rittern auf der einen und den Priestern auf der anderen Seite. Daneben gab es noch die dienenden Brüder.

An der Spitze  des Ordens stand der Hochmeister, der vom Generalkapitel - der Versammlung der Brüder - auf Lebenszeit gewählt wurde und seinen Sitz seit 1309 auf der Marienburg hatte.

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        Hermann von Salza 1162-1239

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Winrich von Kniprode 1310-1382

 Zu seinen Ratgebern gehörten die fünf großen Gebietiger:

  • der Großkomtur, der Stellvertreter des Hochmeisters war und daneben die Oberaufsicht über den Schatz, Die Vorräte und Magazine, über Handel und Schifffahrt hatte. Sein Sitz war die Marienburg
  • der oberste Marschall, sein Sitz war Königsberg. Er war für das Kriegswesen zuständig und war auf Feldzügen der Führer des Heeres (außer, wenn in seltenen Fällen der Hochmeister selber diese Aufgabe übernahm.
  • der oberste Treßler mit Sitz auf der Marienburg. Ihm unterstand die Ordenskasse
  • der oberste Trapier mit Sitz in Christburg, zuständig füe das Bekleidungswesen
  • der oberste Spittler mit Sitz in Elbing. Seit Gründung des Ordens gehörte die Krankenversorgung zu seinen wichtigsten Aufgaben. In Elbing gab es seit Anfang der Ordenszeit das größte Spital.

Das Land war unterteilt in Komturen, den Verwaltungseinheiten, deren Vorsitz ein Komtur hatte und der von 12 Ritterbrüdern, einigen Priesterbrüdern und dienenden Brüdern unterstützt wurde. Sitz der Komtureien waren die Hauptburgen des Landes, z.B. Balga, Königsberg und Ortelsburg, und der Komtur war Festungskommandant und gleichzeitig Verwalter der zu jedem Ordenshaus gehörenden Domäne. Die Domänen versorgten die Komtureien mit allen lebensnotwendigen Dingen, Überschüsse wurden an die Zentralkasse überwiesen. Viele dieser Aufsrellungen sind erhalten geblieben, daher weiß man darüber gut Bescgeid.

Komtureien wiederum zerfielen in kleiner Bezirke, die von Pflegern, Wald- oder Forstmeistern verwaltet wurden. In jeder Komturei gab es außerdem Kammerämter, an deren Spitze Kämmerer, die keine Ordensbrüder waren, für das Einsammeln der Zinsen und deren Überweisung an die Hauptkasse zuständig war. In den Dörfern war dies die Aufgabe der Schulzen.

Zwischen 1300 und 1410, der Blütezeit des Ordensstaates, wurde nach und nach die "Wildnis" besiedelt. Die Burgenkette, jeweils 16-18 km voneinander entfernt, wurde vorgeschoben, von der Linie Marienburg - Königsberg in südöstlicher Richtung. Heilsberg und Wormditt enstanden 1308 i, Gerdauen 1325 ii und Osterode zwischen 1327 und 1330 iii, ebenso Rastenburg 1329 iv, Angerburg und Lötzen 1335 v, Ortelsburg ca. 1350 vi und schließlich Neidenburg 1381 vii und 1398 Lyck viii. Neben den Ordensburgen entwickelten sich nach und nach Städte, so erhielt z.B. Rastenburg1357 das Stadtprivileg.

Gegen Ende des Jahrhunderts, im Jahr 1386, ergab sich eine für den Ordensstaat verhängnisvolle Entwicklung. Der litauische Herzog Jagiello und Hedwig, die Erbin der polnischen Krone, heirateten. Es kam zu einer polnisch-litauischen Union. 1397 hatten sich außerdem die Ritter des Kulmer Landes im "Eidechsenbund" zusammengeschlossen und waren vom Orden abgefallen. Preußen fühlte sich umklammert und der damalige Hochmeister Ulrich von Jungingen entschloss sich zu einem Präventivkrieg gegen Polen, der in der verlorenen Schlacht von Tannenberg am 15.7.1410 sein unglückliches Ende fand.

Wenige Jahre nach der Niederlage von Tannenberg, im Jahr 1440, schlossen sich viele preußische Städte und der Adel zum "Preußischen Bund" zusammen, da sie sich vom Orden, der alle wichtigen Posten mit eigenen Leuten, ortsfremden Rittern aus dem Reich besetzte, übergangen fühlten. Sie versprachen dem polnischen König die  Anerkennung seiner Oberhoheit über das Land, wenn er ihre Rechte gegenüber dem Hochmeister vertreten würde. Das bedeutete einen Abfall eines großen Teil des Landes, der Orden wollte diese Situation nicht so einfach hinnehmen und daraufhin kam es zu einem Krieg, der 13 Jahre dauerte. Sein Ende, markiert vom 2. Thorner Frieden 1466, ließ nur noch einen Rumpfstaat übrig. Das Kulmer Land, das Ermland, Elbing und die Marienburg muste der Hochmeister an Polen abtreten und für den Rest des Ordensstaates die Lehnshoheit des polnischen Königs anerkennen, d.h. genauer, der jeweilige Hochmeister hatte dem König von Polen für seine Person den Treueid zu schwören und ihm mit 100 Reitern Heeresfolge zu leisten ix. Der Sitz des Hochmeisters wurde von der verlorenen Marienburg nach Königsberg verlegt, wo die Hochmeister bis 1525 residierten x.

Königliches und Herzogliches Preußen.png Das Ermland - das Dreieck zwischen Frauenburg im Norden, Rößel im Osten und Allenstein im Südwesten - stand vom 2. Thorner Frieden bis zur 1. polnischen Teilung 1772 unter polnischer Schutzherrschaft und blieb dadurch katholisch. Pommerellen, das Kulmer Land und die drei Städt Danzig, Thorn und Elbing wurden als "Königliches Preußen" dem König von Polen unterstellt, wobei die drei Städte weitgehende politische, wirtschaftliche und kulturelle Autonomie erhielten. xi

Fußnoten

i Kasiske, S. 53

ii Kasiske, S. 101

iii Kasiske, S. 77

iv Kasiske, S. 101

v Kasiske, S. 103

vi Kasiske, S. 122

vii Kasiske, S. 85

viii Kasiske, S. 121

ix Diehlmann, S. III

x Schnoeps, S. 13-18

xi Wikipedia

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