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Vorgeschichte bis 1226

Das Gebiet, das Ostpreußen umfasste, wurde von der Eiszeit geschaffen, vom Vor- und Zurückweichen der dicken Eisschicht, die Geröll und Steine aus dem Norden mitbrachte und den Schutt zermalmte. Beim Stillstand der Gletscher und langsamen Abtauen bildeten sich die meist in südöstlicher Richtung verlaufenden Wasserläufe und beim Zurückweichen die Endmoränen mit den für sie typischen tiefen Rinnenseen und großen Sandgebieten südlich dieser Hügel. So gibt es zwischen Zinten und Landsberg eine 30 bis 35 km lange Endmoräne, den Stablack, und auch die Kernsdorfer Höhen südlich von Osterode sind Endmoränen. Dort, wo das Eis nördlich dieser Gebiete längere Zeit in Mulden stehen blieb, entstanden die lehmigen Grundmoränen und deren flacheren Seen, wie z.B. der Spirdingsee. Nördlich des Stablack zieht sich eine solche Grundmoränenlandschaft mehr als 150 km über Insterburg und Pillkallen hinweg, sie war das Urstromtal der Ur-Memel und wird heute vom Pregel eingenommen. Nördlich dieses Urstromtals zieht sich paralleler Endmoränenzug entland, der ein sehr altes, nachgewiesenes Siedlungsgebiet ist. 

Nach der Eiszeit entstanden auch die vielen Moore, die zusammen mit den fast undurchdringlichen Wäldern eine Wildnis bildeten und lange Zeit dafür sorgten, dass Eindringlinge abgeschreckt wurden, weiter als an die samländische Küste oder am Flusslauf der Weichsel entlang vorzudringen. Als die Eisgrenze sich innerhalb der folgenden 7 ½ Jahrtausende, in der Mittleren Steinzeit, bis nach Norwegen und Schweden zurückzog, setzte die Besiedlung sehr zögerlich ein, denn das Klima war rauh, Wälder und Sümpfe fast undurchdringlich.

Während König Salomo in Palästina regierte und Homer seine Epen dichtete, um das Jahr 1000 v. Chr., siedelten die westbaltischen Prußen schon in dem Ländchen an der Ostsee. Sie machten ab ca. 100 v. Ch. Bekanntschaft mit den Vandalen und im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert mit den westgotischen Gepiden, auch kamen Händler aus dem fernen Rom um Bernstein zu erhandeln, aber im Wesentlichen blieben die Bewohner dieses Gebiets, das um 1200 noch zu 95 % aus Wald bestand, unberührt von fremden Einflüssen, selbst die Völkerwanderung um ca. 500 n. Chr. ging spurlos an ihnen vorbei. Sie jagten in dem dichten, damals noch aus Eichen, Eschen, Weißbuchen und Birken bestehendem Mischwald Ur, Wisent, Elch, Rot- und Schwarzwild, fingen Wildpferde, ernteten den Honig der Wildbienen, fischten in den zahllosen Seen und an den Küsten und sammelten den begehrten Bernstein: ein friedliches, äußerst gastfreundliches Völkchen, obgleich eigentlich der Begriff Volk nicht zutrifft, denn bei den Prußen handelte es sich um einzelne Stämme. Baltische Stämme.JPG

Nach der Legende war Widewut das Oberhaupt aller Prußen und er entschied vor seinem Tod, dass jeder seiner 12 Söhne einen Teil des Landes erhalten sollte. So erhielt z.B. Litwo Litauen, Samo das Samland, Sudo Sudauen, Warmo Warmien, dieser aber starb sehr bald und hinterließ seiner Frau Erma das Land, das nach ihr Ermland benannt wurde. Hoggo erhielt das Hockerland, er hatte 3 Töchter, eine davon hieß Pogezana, die eine angesehene Priesterin war, daher hieß der Teil nach ihr Pogesanien, Pomezo erhielt Pomesanien und Chulmo das Kulmer Land.

Politische Einheit erreichten die Stämme nicht, eine Schrift auch nicht.

Die Prußen verehrten Naturkräfte und Götter, von denen einige mit Namen überliefert sind: u.a. Perkunos, Patolos und Potrimpos. Sie glaubten an die Unsterblichkeit der Seele und an ein Fortleben nach dem Tode. Ihre Toten verbtannten sie und feierten langausgedehnte Leichenfeiern, die mit Trinkgelagen und Wettspielen verbunden waren. i Der nordländische Seefahrer Wulfstan berichtet über den Ablauf solcher Feiern Ende des 9. Jahrhunderts:

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"Und es ist die Regel, dass sie sein ganzes Vermögen verschwenden, einmal durch langes Trinken und Spiele im Hause des toten Mannes. Von seinem Gut wird das meiste in Häufchen verteilt in unterschiedlicher Entfernung vom Haus und dann wird mit schnellen Pferden versucht, zum entferntesten und größten Haufen hinzureiten - und das gehört einem dann. Daher sind schnelle Pferde so teuer. Wenn nun das Gut des Toten ganz und gar zerstreut ist, dann trägt man ihn hinaus und verbrennt ihn mit seinen Waffen und Kleidern." ii

Der oberste Priester hieß Griewe, er verrichtete den Gottesdienst im Heiligtum Romowe. Wo dieses Romowe lag, weiß man nicht, und möglicherweise gab es nicht nur ein großes Heiligtum mit diesem Namen, sondern kleinere mit gleichem Namen bei den einzelnen Stämmen.Romowe war eine heilige Eiche, verhüllt mit Tüchern, umgeben von einem großen Wald, in dem sich kein Ungeweihter, kein Fremder, und schon gar kein Christ aufhalten durfte. Landesfürsten durften bisweilen den Griewe begleiten, aber die in Nischen der Eiche befindliche Bilder der drei Hauptgötter, vor denen Gebete verrichtet und Opfer dargebracht wurden, durften selbst sie nicht sehen. Wer immer sich diesem Gesetz nicht unterwarf, der war zum Tode verurteilt.

Wegen des schönen Bernsteins, der im griechischen Elektron und im germanischen glasaz (Glas) hieß und dessen wörtliche Übersetzung eigentlich Brennstein ist, weil er nämlich brennt, wie man spätestens seit dem wahrscheinlich verbrannten Bernsteinzimmer weiß, werden die Prußen auch von dem frühesten Berichterstatter Tacitus erwähnt: die "Aestiorum gentes" seien gute Bauern, friedfertig, die Einzigen, die Bernstein gewännen.

Die Hauptmasse der Prußen waren freie Bauern, die in Dörfern oder Einzelhöfen wohnten. Es gab aber auch wohlhabende Edelleute, die großen Grundbesitz hatten und abhängige Lehnsleute. Von ihrer Sprache kennen wir wir nur die ca. 800 Wörter, die Anfang des 15. Jahrhunderts im Elbinger Vokabular aufgezeichnet wurden. Über den alten Handelsplatz Truso, der in der Nähe Elbings vermutet wird, verkauften sie Felle, Häute, Wachs und Bernstein und brachte es zu ordentlichem Wohlstand, wie einige große Schatzfunde zeigen, wie. z.B. in Skomenten, Kreis Lyck. iii Ab etwa 600 n.Chr. aber waren immer wieder slawische Stämme, unter ihnen auch Masowier von der unteren Weichsel, plündernd in das Gebiet der prußischen Bauern, die keine befestigten Plätze besaßen, eingefallen. Mit der Zeit wurde es selbst unseren friedlichen Vorfahren zu bunt. Sie bautenVerteidigungsburgen, die sog. altpreußischen Zungenburgen, mit Ringwall und Graben, wie z.B. in Hohenstein, Kreis Osterode, um die Eindringlinge abzuwehren. Sie hießen im Volksmund später Schanzenberg oder Polenschanze und unterscheiden sich durch ihre runde oder ovale Form deutlich von den ordenszeitlichen Befestigungsanlagen, die einen rechteckigen Grundriss haben. Heidnischer-Pruß_trans.png

 

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Außer mit den Slawen bekamen es die Prußen auch den Wikingern zu tun. Aus dem Jahr 1000 gibt es einen Bericht des Saxo Grammaticus:

"Hakon, der Sohn Harald Blauzahns, griff die Semben (Stamm an der samländischen Küste) an. Als er sah, daß seine Mannen im Hinblick auf den gefährlichen Kampf mutlos waren, ließ er Feuer an die aufs Land gezogenen Schiffe legen, um dadurch den Schwankenden die Hoffnung auf Flucht zu nehmen. Die Dänen siegten, bemächtigten sich des Samlands, heirateten die Frauen der erschlagenen Altpreußen  und führten ihr Leben zusammen mit den Feinden"

Bei den Wikingerskeletten des Gräberfeldes im Wäldchen Kaup bei Wiskiauten (in der Nähe von Crantz gelegen) handelt es sich aus Wikinger aus Mittelschweden. iv

Spätestens ab dann änderte sich das Verhalten der Prußen insgesamt, sie gingen nun ihrerseits zu Angriffen über, plünderten Dörfer und Höfe der benachbarten Polen, Pomeranen und Masowier, die inzwischen alle zum christlichen Glauben übergetreten waren. Die untereinander zerstrittenen slawischen Stämme konnten sich nicht über eine gemeinsame Vorgehensweise gegenüber den prußischen Heiden einigen. Ausgerechnet zu dieser Zeit kamen auch noch fromme Männer, wie Adalbert von Prag und Bruno von Querfurt, die ihnen einen fremden Gott aufzudrängen versuchten, die Wälder um das Romowe betraten, möglicherweise auch versuchten, wie beispielsweise Karl der Große damals in Sachsen, die heilige Eiche zu fällen. Da reichte es den Prußen endgültig, sie knüpften die Frevler samt ihrer Gefährten kurzerhand am nächsten Baum auf, erschlugen sie oder verbrannten sie auf Scheiterhaufen. Das hatte zumindest die Wirkung, dass man diese widerborstigen Prußen weitere 200 Jahre ihren eigenen Göttern überließ.

Anfang des 13. Jahrhunderts wurde in den von den Prußen heimgesuchten Gebieten Masowiens die Lage schließlich so unerträglich, dass Konrad von Masowien den Deutschen Ritterorden um Hilfe anrief. Die Ritter in den weißen Mänteln mit einem schwarzen Kreuz verbanden christliche Missionierung mit militärischer Macht schienen ihm geeignet, ihn vom Druck der ständigen Überfälle auf seine Untertanen zu befreien.

Der Orden war 1190 von Lübecker und Bremer Kaufleuten gegründet worden und hatte sich im Heiligen Land zunächst der Krankenpflege gewidmet, war aber schon 8 Jahre später in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt worden. Akkon im Königreich Jerusalem war bis 1291, als es endgültig an die Mohammedaner verloren ging, der Hauptsitz des Ordens. Aber schon seit Anfang des 13. Jahrhunderts, als die Kreuzzüge spärlicher und die Angriffe der Seldschucken und der Fatimiden häufiger wurden, suchten die Hochmeister nach neuen Aufgaben. Besonders nachdem das Burzenland in Siebenbürgen, das der Orden als ungarisches Lehen seit 1211 besessen hatte, 1225 wegen des Widerstandes von Seiten des Kaisers und des Papstes wieder verloren gegangen war, suchte man nach einer neuen und dauerhaften Bleibe.

Konrad von Masowien versprach dem Orden für seine Hilfe das Kulmer Land an der mittleren Weichsel mit zwei Burgen. Die westliche und nördliche Grenze des Kulmer Landes bildete das Weichselknie zwischen Thorn und Graudenz, die südliche die untere Drewenz, nach Osten war sie nicht eindeutig festgelegt, dahinter befand sich das "herrenlose" Gebiet der heidnischen Prußen.

Der damalige Hochmeister des Ordens, der Thüringer Hermann von Salza, Diplomat und Staatsmann, durch die Erfahrung in Siebenbürgen gewarnt, ließ sich das Besitzrecht für das Kulmer Land und außerdem das für alle künftigen eroberten Gebiete im Prußenland von den beiden wichtigsten Instanzen der damaligen Zeit, Kaiser und Papst, bestätigen, nur diese beiden konnten nach der Vorstellung der Zeit über herrenloses Gebiet verfügen und herrenlos waren damals alle heidnischen Länder.

Kaiser Friedrich II., Enkel Barbarossas, der "Knabe aus Apulien", gab seine Zustimmung in der "Goldenen Bulle von Rimini" 1226, in der er dem Hochmeister alle landesherrlichen Hoheitsrechte verlieh "so gut wie irgend einem Reichsfürsten", aber frei von allen Diensten und Verpflichtungen für das Reich. Papst Gregor IX. nahm 1234 das Ordensland als "Recht und Eigen S. Peters" unter päpstlichen Schutz und verlieh es dem Orden zu ewigem freien Besitz. Die Heidenbekehrung im Land der Prußen wurde in den Augen der römischen Kirche gleichgesetzt mit der Teilnahme an einem Kreuzzug ins Heilige Land.

Damit war die Grundlage für die Schaffung eines eigenständigen Staates Preußen gegeben.


Fußnoten:

 

i Schumacher, S. 16

ii Gaerte 1929, o.S

iii Schumacher, S. 16

iv Gaerte, S. 10

 

 

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